• Brigitte Evans

Über die Selbstliebe und die Liebe




Selbst-Liebe - Zwei Wörter, zwei Geheimnisse:

Was ist das Selbst? Was ist die Liebe?


Auf die Frage nach dem Selbst gelangen wir zur Liebe.


Lieben wir uns selbst, landen wir im Liebes-Sein.


Uns selbst können wir nicht „von außen“ lieben, so als würden wir jemanden, den wir gern haben, etwas Gutes tun, oder jemand anderem liebevolle Gefühle entgegenbringen.

Wenn wir uns selbst lieben, müssen wir das gleichsam „von innen heraus“ tun. Wir müssen die Liebe sein, die wir uns angedeihen lassen wollen.


Denn nur dann, wenn wir Liebe sind, verstehen wir die Liebe.



Die Angst vor der Liebe


Wenn wir es nicht schaffen, uns selbst zu lieben, so hat das einen Grund. Wir fürchten uns vor der Kraft der Liebe. Sie ist maßlos, unersättlich. Sie will uns ganz und gar verschlingen.

Wir können uns lange davor drücken, die Liebe zu erfahren. Wir werden sie umkreisen, all ihre Facetten erfahren, bis wir richtig in sie hineinfallen, in ihr versinken, in ihr zu ertrinken drohen. Dann noch einmal tief einatmen und sterben. Letztendlich stirbt das Selbst in der Liebe.


Das, was wir als Selbst bezeichnen, fürchtet sich davor.

Lieber reden und singen wir von Liebe und sehen uns romantische Liebesfilme an. Lieber jammern wir, dass wir nicht geliebt werden als dass wir uns der Liebe ausliefern. Lieber leiden wir an der „Nicht-Liebe“, als zu erkennen, dass wir nichts anderes sind als Liebe.



Das Gefühl der Liebe ist die Glückseligkeit.


Im Gewahrsein der Liebe gibt es kein Leiden. Die Abwesenheit des Leidens ist reine Freude, reine Wahrnehmung ohne negative Gefühle.

Reines Erfülltsein von Liebe als Zustand der Einheit und des Einverstandenseins ist Glückseligkeit.




Die Liebe drückt sich durch Teilen und Verbinden aus.


Das Geheimnis der Liebe ist, dass immer, wenn sie sich teilt und in die Vielfalt drängt, sie gleichzeitig in der Einheit bleibt.

Wir alle leben in dieser Spannung. Der Anteil, der immer in der Einheit bleibt, drückt sich in uns als Sehnsucht nach Liebe aus. Es ist das höchste energetische Feld in uns, unsere Essenz, der Anteil, den wir gern auch als göttliche Essenz bezeichnen.

Es ist das Gewahrsein des Einsseins mit allem, was ist.

Wir betrachten diesen Anteil als ewig und allumfassend.


Unser Verstand verleiht dieser Gesamtwahrnehmung Attribute. Doch da unser Verstand begrenzt ist, müssen auch diese Attribute begrenzt sein.

Die Begrenztheit unseres Verstandes treibt uns oft in die Sprachlosigkeit, Verwirrung, Angst und Ohnmacht. Das Groteske ist, dass wir nicht unseren begrenzten Verstand fürchten, sondern das Versinken im Gewahrsein der Einheit.



Wenn sich die Liebe teilt und manifestiert, erschafft sie vielfältigste Erfahrungs- und Wahrnehmungsebenen.

Die Liebe ist kreativ. Sie ist ständig dabei, sich schöpferisch auszudrücken.

Das bedeutet, dass sie sich ständig vollkommen hingibt, (was wir als „yin-Energie“ bezeichnen)

und alles hergibt (ihr „yang-Anteil“).




Das Selbst und die Liebe


Der Anteil in uns, den wir als Selbst bezeichnen, ist einer der unzähligen Aspekte der Liebe.

Das Selbst ist für uns wichtig, um uns zu orientieren. Wir könnten das Selbst als eine Struktur oder ein Programm bezeichnen. Doch jede Struktur muss sich wieder auflösen, weil das Prinzip der Liebe das Fließen ist.


Was wir unter Selbstliebe verstehen, ist hauptsächlich der achtsame Umgang mit unserem Körper, unseren Gefühlen und Gedanken.


Wenn wir achtsam sind, öffnen wir uns.


Wenn wir offen sind, lösen sich Blockaden.


Wenn sich Blockaden lösen, hören wir auf zu verurteilen.


Wenn wir nicht mehr verurteilen, sind wir im Einverständnis mit allem, was ist.


Wenn wir im Einverständnis sind, erlangen wir das Einheitsbewusstsein, das jede Annahme eines getrennten Selbst auflöst.


Wenn wir die Illusion des Selbst auflösen, sind wir in der Liebe.



So können wir die Konstruktion „Selbstliebe“ nutzen, um zur wahren Liebe zu gelangen.

Das kann ein langer Weg sein. Doch wir alle gehen diesen Weg, davon bin ich überzeugt. Und wir alle werden unser Ziel erreichen, auch davon bin ich überzeugt.

Ein Weg, der uns zur Erfahrung der allumfassenden Liebe, zur Freude und zu Glückseligkeit bringt, ein Weg, der nie zu Ende ist, weil die Liebe unendlich ist.

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