• Brigitte Evans

Geschichten und achtsame Sprache


Beim Schreiben von Geschichten passiert es oft, dass ich steckenbleibe. Die Geschichte entwickelt sich nicht weiter. Ich habe das Gefühl, als würden die Figuren darauf warten, dass mir etwas einfällt. Sie stehen da, wie Schauspieler auf einer Bühne, die auf Anweisungen des Regisseurs warten. Ich versuche dann krampfhaft neue Szenen zu erfinden, neue Figuren einzubauen, um der Geschichte neues Leben einzuhauchen. Mein Schreibcoach hat mich gelehrt, dass das alles nicht notwendig sei. Wenn die Idee für eine Geschichte in sich stimmig ist und ein Entwurf mit einem Anfang und einem Ende festliegt, brauche ich nichts Neues mehr erfinden. Es ist bereits alles in der Idee der Geschichte enthalten. Ich müsse nur noch die Details ausarbeiten. Die Figuren besser kennenlernen, dann würde die Geschichte mit einer neuen Qualität weitergehen.

Jeder Mensch ist das Ergebnis einer Idee.

Der allumfassende Liebesgeist oder das göttliche Bewusstsein erschufen und erschaffen immer neue Wesen. Wir sind ein Teil dieser Schöpfung, entstanden aus Liebe, Bewusstheit und der Kraft, selbst schöpferisch zu sein mit einem freien Willen ausgestattet, uns auf verschiedenen Ebenen zu verwirklichen und Erfahrungen zu machen. Das ist ein besonderes Geschenk. Wir sind frei, Entscheidungen zu treffen, die gegen die Liebe verstoßen. Das ist vom göttlichen Bewusstsein so "vorausgesehen". In diesem Lebensexperiment "dürfen" wir uns selbst und andere verletzen. Um uns zu heilen, stehen unzählige Heilungsmittel zur Verfügung.

Unsere "kosmischen Eltern" strafen nicht. Sie lieben uns in einer Art und Weise, die wir wahrscheinlich kaum erfassen können. Welches Kind kann schon die Liebe erfassen, die Mütter und Väter empfinden? Und die Liebe unserer "kosmischen Eltern" übertriff noch die Liebe der irdischen Eltern um ein Vielfaches.

Was hat das mit den Geschichten zu tun und mit achtsamer Sprache?

Jeder Mensch hat die Möglichkeit, seine eigene Lebensgeschichte zu schreiben. Jede Geschichte hat einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss. Wie wir diese Geschichte schreiben, hängt von unserem Bewusstsein ab. Machen wir eine Liebesgeschichte, ein spannendes Abenteuer oder einen Krimi daraus?

Wollen wir so leben, dass es eine Fortsetzung in einem nächsten Leben gibt oder wollen wir gern in eine andere Dimension wechseln? Worauf richten wir unseren Fokus in unserer Lebensgeschichte? Auf das Leiden, das wir durch Glücksmomente erträglich machen oder auf das Erreichen von dauerhaftem Glück? Wer in uns schreibt unsere Geschichte? Das Höhere Selbst, das mit dem göttlichen Bewusstsein und höheren Frequenzen verbunden ist oder das Niedere Selbst?

Holen wir uns Hilfe bei anderen Autoren, die ihre Lebensgeschichte schon geschrieben haben? Zum Beispiel bei aufgestiegenen Meistern und spirituellen Lehrern? Oder wollen wir einfach nur diese Geschichte hinter uns bringen, weil wir sowieso keine Lust auf dieses Leben hatten und uns die meiste Zeit wünschen, gar nicht geboren worden zu sein?

Alles, was wir erleben, ist ein Teil unserer Geschichte.

Was die Sache ein bisschen kompliziert macht, ist, dass wir zwischendurch immer vergessen, dass wir die Autorinnen und Autoren sind. Wir fühlen uns oft eher als Figuren in unserer Geschichte: manchmal als Protagonisten, dann wieder als Nebenfiguren oder sogar als Statisten. Manchmal haben wir den Eindruck, dass wir selbst unser Leben in der Hand haben, dann wieder glauben wir, dass wir nicht beachtet werden und nichts zu sagen haben oder dass andere uns manipulieren und wir von Gegnern umzingelt sind.

Wir wechseln die Perspektive

Immer, wenn wir das Gefühl haben, ausgeliefert oder Opfer einer Situation zu sein, sind wir von der Autorenrolle in die Figur geschlüpft. Wir identifizieren uns mit den Personen, die unser Geist erfunden hat. Wir sind so beeindruckt von unserer Geschichte, dass wir vergessen, dass sie ein Produkt unseres Willens und unserer Entscheidungen ist. Wir lieben die Spannung, das Abenteuer und die Möglichkeit, neue Lösungen zu finden. Das macht eine gute Story aus. Wir sind gerne Helden, die entweder durch Intelligenz, Superkräfte oder Liebe die Welt oder zumindest unsere Familien oder Freunde retten.

Um Spannung in unsere Geschichte zu bringen, brauchen wir Gegner, Hindernisse und Rückschläge. Denke daran, wie langweilig du ein Buch finden würdest, in dem alles von Anfang an glatt geht. Keine Spannung. Kein Held, kein Gegner. Wozu dieses Buch lesen? Du weißt ja schon von Anfang an, dass alles gut geht, dass die Prinzessin ihren Prinzen bekommt, in der es keine Schurken und Hindernisse gibt, weil sich alle selbst lieben und die anderen lieben. So eine Geschichte wird niemals ein Bestseller. Sie widerspricht der "Heldenreise", in der der Held nur durch Gefahren und Hindernisse sich selbst und die Welt begreifen kann.

Wir sind die Autoren und Autorinnen unserer Lebensgeschichte


Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich der Rolle als Autor und Autorin bewusst zu sein. Auch wenn du kein Wort geschrieben hast - durch deine Gedanken, Worte und Handlungen setzt du jeden Moment eine neue Ursache für die Fortführung deiner Geschichte.

Und dann kann es schon passieren, dass du selbst eine dieser Figuren bist, die darauf wartet, wie es weitergeht. Du suchst jemanden, der dir ein Happy End ins Manuskript schreibt und dir den Weg vorgibt. Aber du suchst vergeblich. Denn je mehr du deinen Blick nach außen wendest, desto deutlicher wird dir bewusst, dass dir niemand hilft. Du wirst ständig auf dich selbst zurückgeworfen. Irgendwann erkennst du, dass du an einem bestimmten Zeitpunkt so sehr in deine Geschichte eingetaucht bist, dass du vergessen hast, dass du sie selbst erfunden hast. Du hast in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen, die dich in die aktuelle Szene geführt haben. Du bist aus der Perspektive des Autors in die Rolle der Hauptfigur oder einer Nebenfigur geschlüpft und hast dich faszinieren lassen von den Empfindungen und Erfahrungen dieser Figur.


Du kannst jedoch jederzeit wieder die Perspektive ändern und in deine wahre Identität als Autor oder Autorin zurückkehren. Dann hast du auch wieder deine Kraft, um e