• Brigitte Evans

Ascendere

Aktualisiert: 21. März 2018




Die Dramen unseres Lebens basieren auf unseren Wünschen

Viele Menschen, die ich kenne, beschäftigen sich mit spirituellen Themen. Sie lesen viele Bücher, besuchen Seminare, machen Ausbildungen (auch bei mir), lassen sich energetisch behandeln (auch von mir) und trotzdem verläuft ihr Leben nicht so, wie sie es gerne hätten. Warum ist das so?


Die Antwort liegt schon im ersten Satz verborgen. Das Leben verläuft nicht so, wie sie es gerne hätten, wie sie es sich vorstellen. Dabei gibt es so viele Bücher, die uns erklären, was wir alles tun müssen, damit sich unsere Wünsche erfüllen, damit wir ein Leben im Wohlstand führen und den Seelenpartner bekommen, nach dem wir uns schon so lange sehnen.


Die meisten Bücher erzählen uns jedoch nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist, dass wir immer das haben, was wir uns gewünscht haben -- auch wenn es ein leeres Konto, die Einsamkeit, das Leben im Frauenhaus oder unter der Brücke ist.

Die Frage ist nur, wer ist das "Ich", das sich das alles gewünscht hat?

Wer in uns ist so bescheuert, sich Leiden, Krankheiten und Probleme zu wünschen?


Wir nennen diesen bescheuerten, unberechenbaren Anteil in uns das Unterbewusstsein. Wir könnten es auch als eine Datenbank bezeichnen, die alle unsere Wünsche sammelt und sie früher oder später erfüllt. Diese Datenbank gab es schon vor der Erfindung der Computer, sie sitzt in unseren Zellen und Atomkernen, läuft als Energiemuster durch unser Aura.


Wir füttern diese Datenbank täglich mit Wünschen und Bedüfnissen, die einander oft genug widersprechen. Da ist der Wunsch nach Sonnenschein und Wärme, nach kalten, verschneiten Wintern, nach Sattheit und nach Schlanksein, nach Aufregung und nach Ruhe, nach Familie und Unabhängigkeit, nach dem besten aller Ehemänner und nach einem Posten in der Chefetage eines großen Unternehmens, der Wunsch nach Frieden und der Drang sich durchzusetzen usw.


Unere Datenbank speichert all diese Wünsche. Und weil sich die Energie in uns nach unserer Aufmerksamkeit richtet, werden je nachdem, wie viel Energie wir in den jeweiligen Wunsch legen, diese Wünsche früher oder später erfüllt.


Jeder Wunsch trägt eine Erfüllungsenergie in sich.


Ähnliche Wünsche verbinden sich und werden zu sogenannten "Elementalen", das sind Wunschmuster oder Programme, die eine Tendenz zu wachsen und sich zu manifestieren in sich tragen.

Wenn sich im vergangenen Leben der Wunsch nach dem richtigen Partner nicht verwirklicht hat, kann es sein, dass er in diesem Leben so stark auftaucht, dass sich das ganze Leben danach ausrichtet. Wir verzichten dann womöglich auf eine berufliche Karriere (die hatten wir vielleicht schon im vergangenen Leben) und streben hauptsächlich danach, den Traumpartner zu finden.


Wir machen unser Glücklichsein von der Erfüllung unserer Wünsche, Bedürfnisse und inneren Werte abhängig. Wenn ein Wunsch erfüllt wurde, sind wir kurzfristig glücklich, aber da drängen schon die anderen Wünsche darauf, erfüllt zu werden -- und schon sind wir wieder unzufrieden und unglücklich.


Alle mystischen Denk- und Lebensrichtungen lehren, dass es nicht die Erfüllung unserer Wünsche ist, die uns glücklich macht. Deshalb gibt es in vielen Religionen und spirituellen Gruppen große Einschränkungen, wie das Armuts-, Gehorsams- und Keuschheutsgelübde. Die moderne Seele wehrt sich gegen solche Gelübde -- mit Recht. Denn so ein Gelübde bringt nichts. Es ist ein erzwungener Verzicht auf die Erfüllung gespeicherter Wünsche und entspricht lediglich der Erfüllung eines inneren angelernten Wertes.


Unsere Wünsche basieren auf unseren Werten

Alle inneren Werte bezeichnen wir als Weltanschauung. Auch dafür haben wir eine Datenbank: Wir können das Schöne, das Gute, das Edle verehren, aber auch Kraft und Durchsetzungsvermögen, Liebe oder Frieden. All diese Worte bezeichnen hohe Werte, die sozusagen die Grundlage unserer Wünsche bilden.

Wenn Menschen den Frieden als hohen Wert gespeichert haben, werden sich viele Wünsche um dieses Thema ranken. Wir schweigen um des Friedens willen, wenn uns etwas angetan wird oder gehen auf die Straße, schwenken Fahnen mit aufgemalten Peace-Zeichen. Wir lieben Einhörner und Engel und sehnen uns nach Frieden in der Welt.


Wenn Schönheit unserer höchster innerer Wert ist, dann werden wir uns nach einer schönen Umgebung sehnen, sind Maler, Sängerin oder Architektin, betreiben Körper- oder Rassenkult, werden Schönheitschirurgin oder Floristin.


Wenn Gerechtigkeit unser höchster Wert ist, dann werden wir Richter oder Anwältin oder glauben an einen gerechten Gott, der die Sünder bestraft. Wir dürsten nach Vergeltung und prangern alles an, was wir als ungerecht einstufen. Wir trinken fair gehandelten Kaffee und zahlen unseren Angestellten gerechte Löhne.


Alles, was im Leben geschieht, basiert auf unserer Weltanschauung. Wir schauen die Welt durch unseren Werte-Filter an. Alle unsere Wünsche und Bedürfnisse, Handlungen und Reaktionen baiseren auf unseren Werten.

Was ist falsch daran, könntet ihr fragen?



Unsere Werte basieren auf einer Illusion

Nichts ist falsch und alles ist falsch. Weil diese Werte, die wir so gern vertreten, unsere humanistischen, kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Werte, nicht zu einem besseren Leben führen.

Menschen, die ihren inneren Werten folgen, schließen sich gern mit anderen Menschen zusammen, die ähnliche Werte haben. Sie bilden eine Gruppe, eine politische Partei, eine Religion, eine Sekte, einen Verein.

Es liegt auf der Hand, dass jeder Konflikt ein Werte-Konflikt ist. Solange wir uns mit unseren Werten identifizieren, gibt es Konflikte.


Die Lösung heißt immer Lösen.

Die Lösung ist der Tod unserer Werte. Das ist keine neue Erkenntnis. Viele vorchristlische Kulturen töteten ihren König nach einem Jahr, um dem Stamm oder der Sippe das Überleben zu sichern.


Der König ist ein Symbol für fixe Werte und Weltanschauungen, die sterben müssen.

Solange wir eine Weltanschauung haben, sind unser Glück, unsere Freude und unsere Liebe von der Einhaltung dieser Werte und der Erfüllung unserer Bedürfnisse (die auf diesen Werten beruhen) abhängig.


Das große Mysterium der Kreuzigung Christi ist vielschichtig. Eine Aussage dieser Kreuzigung ist, dass er als König sterben musste, um als freies, ewiges Lichtwesen auferstehen zu können.

Die Wandlung ist kein angenehmes Hinübergehen. Das Brot, das wir während der Kommunion beim Messopfer erhalten, wird nicht von allein gewandelt. Es wird zerbissen.

Der Aufstieg, von dem so viel gesprochen wird, kann erst passieren, wenn alle unsere Werte sterben. Sind wir bereit, freiwillig und bewusst unsere Ideale aufzugeben (dem höheren Leben zu opfern) oder treiben wir weiterhin unbewusst auf unser Ziel zu?


Solange der Mensch eine Weltanschauung hat, wird er seine Anschauungen vertreten und verteidigen, er wird sich im Recht sehen. Es besteht Trennung und Distanz zu anderen. Es entstehen Sympathien für Gleichgesinnte und Antipathien gegen Andersdenkende.

Solange wir nicht in uns selbst alles töten, was einer Wertung gleichkommt, werden wir abhängig sein. Wir werden uns mit dem identifizieren, was unseren inneren Werten genehm ist und ablehnen, was unseren inneren Werten widerspricht.

Wir werden unsere Datenbanken weiterhin mit Wünschen füttern und hoffen, dass diese Wünsche erfüllt werden. Wir bleiben in ständiger Geißelhaft unserer Werte!


Erst, wenn wir bereit sind, alle Werte, Ideale und Ideen in uns zu töten, wenn wir hinabsteigen in das Reich des Todes, in die unbekannte Hölle unseres Selbst und dort alle Werte verbrennen, wird das wahre Sein erwachen.


Spiritualiät als Hobby zu betreiben und ab und an ein bisschen zu meditieren, sich die Karten zu legen und den einen oder anderen Engel beim Namen nennen zu können, wird uns nicht weiterbringen.

Hinabzusteigen heißt, alles aufzugeben, was uns als wertvoll erscheint. Es heißt, den Dingen, die wir haben und wollen, erst einmal keinen eigenen Wert zuzuschreiben, sie als bedingte Wünsche zu entlarven, hervorgerufen durch eine angelernte und antrainierte Weltanschauung.


Die Essenz liegt tief verborgen unter all den Werten, die wir darüber aufgeschichtet haben. Wenn wir lange graben, tief in uns hineinschauen, viele Stunden in Versenkung sitzen und alles über Bord werfen, was uns bislang wichtig erschien, kommen wir dort an.


Die Erfahrung, dass alles eins ist, dass es keine Täter und Opfer gibt, dass es nur eines gibt, nämlich bedingungslose Liebe in jedem Augenblick, ist so ungeheuerlich, dass sich die Reste der Werte, die noch in der Aura schlummern mögen, auflösen wie Nebelschwaden in der Sonne.

Wenn sich in uns Täter und Opfer liebevoll umarmen und erkennen, dass sie alles nur geträumt haben und dass sie in Wahrheit einander aus tiefstem Herzen lieben, fließen Tränen.

Das Herz öffnet sich meilenweit -- wird ein kosmisches Herz und jede Kreatur findet einen Platz darin -- nicht nur theoretisch, sondern hautnah. Dann sind wir bei uns angekommen und können langsam aber sicher unseren Aufstieg beginnen.


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